Schloss Augustusburg

Schloss Augustusburg, Sommerhaus und Nordflügel, Küchenhaus, Hasenhaus, Südflügel und Westflügel sowie Schlosskirche

Künstler:
unbekannt
Erstellt im Jahr:
1568 -1572/73
Auftraggeber:
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Chemnitz
Ausführung:
April-November 2007, April 2008-Juli 2011

Die imposante Schlossanlage Augustusburg, welche auch als die ›Krone des Erzgebirges‹ bezeichnet wird, liegt weithin sichtbar auf einer Bergkuppe über dem Zschopautal. Die Anlage ließ Kurfürst August I von Sachsen in den Jahren 1568-1572/73 als Jagdschloss errichten. Dieses besteht aus dem quadratischen Grundriss eines um den Hof herum angelegten Kernschlosses. Nach außen präsentiert sich letzteres mit seinen vier Eckgebäuden und den verbindenden Zwischentrakten als regelmäßige Vierflügelanlage. Lediglich die Schlosskapelle tritt als einziges Element aus der Baukörperflucht heraus. Die Baufluchten des Hofes hingegen zeichnen, bedingt durch die schmaleren Zwischentrakte, den Grundriss eines griechischen Kreuzes nach. Das Schloss wird im Süden durch die Wirtschaftsgebäude begrenzt, die hinter dem Kernschloss liegen. Im Norden befindet sich das vorgelagerte Torhaus, an welches sich eine gemauerte, das Kernschloss umgebende Umfriedung anschließt.

Die Raumgliederung folgt auch im Inneren in den einzelnen Geschossen annähernd einheitlichen Grundrissfiguren. Der überwiegende Teil des Schlosses wurde durch ›Wohnappartements‹ bestimmt, die jeweils aus einer Stube (Gemach) und einer Schlafkammer (Vorgemach) bestanden und sich in den Eckhäusern in der Regel in jedem Geschoss um einen großen Saal gruppierten. Ergänzend kamen die Tafel- und Hofstuben, größere Festsäle und die Schlosskapelle hinzu. Die vier Häuser dienten der Bewirtschaftung und Beherbergung von Dienerschaft, Hofhaltung und der Unterbringung von Gästen und schließlich der Einrichtung der Wohn- und Schlafgemächer der kurfürstlichen Familie.

Das Sommerhaus befindet sich im Nordwesten der Schlossanlage. Nach Norden wird es von dem in das Lindenhaus überleitenden Nordflügel begrenzt, während sich südlich der Westflügel anschließt. Das Sommerhaus stand im Dienste allgemeiner Nutzung. Neben den Tafelstuben befanden sich hier vermutlich auch Kammern zur Unterbringung der Gäste. Die Raumaufteilung trägt auch hier einen appartementartigen Charakter. Der Saal diente als zentraler Vorraum für zwei bis drei fürstliche Stuben, an die sich jeweils die dazugehörige Schlafkammer anschloss. Im 2. Obergeschoss befand sich der ›Tanzsaal‹ mit einer unter der Decke umlaufenden hölzernen Musikempore. Das Sommerhaus weist heute auf der Hofseite, wie auch alle anderen Schlossgebäude einen zweigeschossigen Aufbau auf.

Das Küchenhaus befindet sich in der Diagonale zum Sommerhaus, d.h. im Südosten des Schlosses. Nach Süden wird das Küchenhaus von dem Südflügel begrenzt, der die Verbindung zum Hasenhaus herstellt. Im Osten schließt sich an das Küchenhaus die Schlosskirche an. Das Küchenhaus erhielt seinen Namen von der in ihm eingerichteten Ritter- und Kurfürstenküche und deren Nebenräumen. Hier erfolgte die Versorgung des kurfürstlichen Hofes. Im 2. Obergeschoss befand sich die Hofstube, in der der Kurfürst mit seinem Gefolge und den Jagdgästen speiste. Des Weiteren beherbergte dieses Haus ursprünglich u.a. eine Salzkammer, eine Essigstube, eine Pastetenstube eine Küchenschreiberstube, eine Silberkammer, eine Schneiderstube sowie ein Kleider- und Kastengemach.

Die dekorative, d.h. farbige Ausgestaltung im Inneren des Schlosses beschränkte sich im Wesentlichen auf die Kamine, Türen und Fenster sowie die Leinwanddecken in den oberen Etagen. Mit der Ausführung dieser Arbeiten wurde der Hofmaler Heinrich Göding (1531- 1606), ein Schüler Lucas Cranachs d.J., von dem Kurfürsten beauftragt. Auf persönliche Anweisung des Kurfürsten malte er von Juni 1570 bis Januar 1573 u.a. die illusionistische Scheinarchitekturen an den Fenstern, Türen und Kaminen. Zeitweise wurde er von dem Maler Christof Enderle und dessen Gesellen und Lehrjungen unterstützt. In ihren gestalterischen Grundzügen ähnelt sich die Malerei in allen vier Eckhäusern: Scheinarchitekturen in Anlehnung an Säulenordnungen dienen als Träger für Ornamente (Roll- und Beschlagwerk), pflanzliche Motive und figürliche Szenen mit mythologischem Hintergrund; dennoch ist eine ikonografische Trennung der Gebäude wahrnehmbar.

Die Schlosskapelle, die auf einen Entwurf Erhard van der Meer`s zurückgeht, basiert auf dem durch Torgau geprägten sächsisch- protestantischen Schlosskapellenschema. Der zweigeschossige Emporensaal wird von einem Tonnengewölbe mit einer Kassettierung in Form von Beschlagwerk überspannt. Mit Korbbögen überwölbte Emporen fassen den Raum auf drei Seiten ein. Die dadurch entstehenden Achsen folgen im Untergeschoss toskanischer, im Obergeschoss ionischer Ordnung. Der südlichen Stirnseite wurde keine Empore vorgesetzt- sie tritt über beide Geschosse als Nische, ebenfalls unter einem Korbbogen zurück.

In verschiedenen Teilen des Gebäudes wurden bereits in einem früheren Zeitraum restauratorische Voruntersuchungen hinsichtlich der bauzeitlichen Farbigkeit durchgeführt. In Vorbereitung auf umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Küchen- und Hasenhaus, im Südflügel, im Sommerhaus, im Nordflügel sowie in der Schlosskirche wurden seit Frühjahr 2007 folgende restauratorische Leistungen in den verschiedenen Gebäudeteilen des Schlosses in Auftrag gegeben.

-Überprüfung der bisherigen restauratorischen Untersuchungsergebnisse auf Qualität und Vollständigkeit, Sichtung / Kontrolle der untersuchten Bereiche vor Ort im Sommerhaus, Nordflügel sowie in der Schlosskirche

-Restauratorische Untersuchung in den, bisher noch nicht untersuchten Räumen des Sommerhauses und des Nordflügels, in den Treppenhäusern des Sommerhauses und des Nordflügels sowie partielle (vervollständigende) Untersuchung in einigen bereits untersuchten Räumen des Sommerhauses und des Nordflügels

-Restauratorische Untersuchung in einigen Räumen des Küchenhauses, Hasenhauses und des Südflügels, sowie in den Treppenhäusern des Küchenhauses und des Hasenhauses

-Restauratorische Untersuchung in der Schlosskirche

-Sichtung und Auswertung von Archivunterlagen

-Kostenschätzung für die Freilegung von zwei Kaminen im Sommerhaus

-Anlegen einiger Musterflächen im Rahmen der Konzepterstellung zur Präzisierung von Technologie und Materialien

-Konzepterstellung für konservatorische und restauratorische Leistungen für das Sommerhaus, den Nordflügel sowie für die Schlosskirche

-Leistungsbeschreibung mit prozentualer Mengenermittlung als Zuarbeit zur Ausführungsplanung im Sommerhaus und im Nordflügel

-Restauratorische Fachbauleitung im Sommerhaus, im Nordflügel, im Küchenhaus, im Hasenhaus und im Südflügel

-Baubetreuung im Sommerhaus, im Nordflügel, im Küchenhaus, im Hasenhaus und im Südflügel

-Vergrößerung (Freilegung) von zwei Befunden im Sommerhaus inkl. Konservierung und Restaurierung zur Präsentation

-Sicherung von Befunden im Südflügel

-Zuarbeit zur Elektroplanung im Küchenhaus und im Südflügel

-Konservierung von vier Wandgemälden im Hasenhaus

Projektbeteiligte:

Dipl- Restauratorin Sylvia Lenzner, restauratorische Fachbauleitung

Freiberufliche Mitarbeiter (Juli 2009): Dipl.- Restaurator Christoph Gramann (Gramann & Schwieger Restauratoren GbR) und Lydia Dietrich (Studentin der HfBK Dresden)

Frau Hegewald, Frau Klemm, Herr Zimmermann, Frau Abdennabi, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Chemnitz

Herr Hengst, Frau Weidner, Frau Kreher u.a., Architekturbüro Raum und Bau

Herr Dipl.- Ing. Architekt Rainer Ehlich

Herr Dr. Michael Kirsten, Herr Dipl. Restaurator Manfried Eisbein, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Herr Sieber, Herr Meinig, Herr Schulze, Schloss Augustusburg

Frau Britta Günther M.A.

Prof. Dr. Christoph Herm, Labor für Archäometrie/naturwissenschaftliche Untersuchungen, Hochschule für Bildende Künste Dresden

Frau Augsburg, Lichtdesign und Planung für Architektur

Herr Lochas, Herr Wirth, Herr Leinung, Statikbüro Lochas

Herr Siebenhaar, Herr Böhmer, Herr Kobuß, Ingenieurbüro Zammit

Herr Heilmann, Ingenieurbüro Kummich & Heilmann

Herr Riß, Herr Schawaller, Bauservice Riß GmbH

Herr Schanz, Elekto- Walther

Herr Scheunert, Steinmetzwerkstatt Scheunert

Steinmetzatelier Pleißengrund GmbH

Herr Weizel, MFC Modell- u. Formenbau

Frau Penz, Löwen- Restaurierung Müller GmbH

Herr und Frau Jämlich, Fa. Jämlich u.a.



Oberes Bild: Schlosshof. Ansicht gen Südosten mit Küchenhaus (links), Südflügel (Mitte links), Hasenhaus (Mitte rechts) und Westflügel (rechts).

Abb.: 1

Abb.1: Ansicht des Schlosses von Norden.

Abb.: 2

Abb.2: Lindenhaus. Affenstube. Die Motive in den Stuben und Kammern wurden oft prägend für die Namensgebung der Räume.

Abb.: 3

Abb.3: Sommerhaus, Saal, nach der Sanierung.

Abb.: 4

Abb.4: Sommerhaus, Kamin im Saal. Der bauzeitliche Kamin wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten untersucht und freigelegt.

Abb.: 5

Abb.5: Sommerhaus, Treppenhaus, nach der Sanierung.

Abb.: 6

Abb.6: Sommerhaus, Konsolstein. Erweiterung des bauzeitlichen Befundes zur Präsentation. Der Befund wurde freigelegt, konserviert und restauriert.

Abb.: 7

Abb.7: Schlosskirche, nach der Sanierung.

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sylvia lenzner - diplom restauratorin

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