Ziesar, Burgkapelle

Ziesar, Burgkapelle

Künstler:
unbekannt
Erstellt im Jahr:
2. Hälfte des 15. Jh.
Auftraggeber:
Amt Ziesar
Ausführung:
August 2003- März 2004

Die Kapelle der Burg zu Ziesar weist im Inneren eine einheitliche polychrome spätgotische Raumausmalung auf. Diese heute sichtbare Fassung wurde in den Jahren 1863/64 teilweise freigelegt, 1952/53 restauriert und z.T. stark überarbeitet. In dem bearbeiteten Bauabschnitt erfolgte die Konservierung und Restaurierung des gesamten Ostjochs und der östlichen Rundbogennische. Das Konzept beinhaltete dabei den Erhalt des optischen Erscheinungsbildes der Restaurierung von 1953/54, bei welcher die spätgotische Fassung bereichsweise übermalt und partiell auch uminterpretiert wurde.

Die Burg wurde ebenso wie die Stadt Ziesar das erste Mal im Jahre 948 urkundlich erwähnt. Sie befindet sich auf einem aufgeschütteten Hügel an einem jetzt verlandeten See. Die Burg ist als Bischofssitz bezeugt. Schon im 13. Jahrhundert wohnten die brandenburgischen Bischöfe zumindest zeitweise in Ziesar. Von 1327-1560 war die Burg deren ständige Residenz.

Die bestehende Anlage wurde Anfang des 13. Jh. als Rundburg errichtet, wovon heute noch der Bergfried und Teile der Ringmauer erhalten sind. Nach 1327 wurde sie zur bischöflichen Residenz ausgebaut und stark befestigt.

Im dritten Viertel des 15. Jh. ließ Bischof von Stechow in den nordwestlichen Trakt der Burg Ziesar eine den Repräsentationsansprüchen einer Bischofsresidenz würdige Kapelle integrieren. Hierbei handelt es sich um einen rechteckigen gewölbten Backsteinsaal, der auf der nördlichen Seite durch steinerne Emporeneinbauten über gewölbten kapellenartigen Nischen zweigeschossig angelegt ist. Die Kapelle wurde im Jahre 1470 geweiht.

Innen weist der eindrucksvolle Kapellenraum eine einheitliche polychrome spätgotische Raumausmalung auf: Die Wände sind im unteren Bereich mit gemalten Wandbehängen geschmückt. Im oberen Bereich sind sie, durch einen umlaufenden Fries abgesetzt, mit grünmonochromer Rankenmalerei bemalt. Die Gewölbe werden illusionistisch durch gemalte steinerne Baldachine aufgelöst, durch deren filigran gestaltetes Maßwerk (u.a.Fischblasendekor) das Himmelsblau hindurchscheint. Die Wände der seitlichen Nischen schmücken u.a. eine Strahlenkranzmadonna und die Wurzel Jesse. An der Ostwand ist im oberen Bereich das Christusmonogramm abgebildet, das von illusionistischem Maßwerk gerahmt wird. Diese heute sichtbare Fassung wurde in den Jahren 1863/64 teilweise freigelegt, 1952/53 restauriert und z.T. stark überarbeitet.

Der bearbeitete Leistungsabschnitt umfasste die Konservierung und Restaurierung des gesamten Ostjochs und der östlichen Rundbogennische. Das Konzept sah dabei den Erhalt des optischen Erscheinungsbildes der Restaurierung von 1953/54 vor, bei welcher die spätgotische Fassung bereichsweise übermalt und partiell auch uminterpretiert wurde.

Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt:

-Bestandserfassung von Putz und Fassungsschichten

-Untersuchung zu Materialien und Technologie

-Schadenserfassung und Schadursachenanalyse

-Reinigung der Oberfläche

-Partielle Freilegung von Kalktüncheresten

-Entfernung ästhetisch unbefriedigender Putzergänzungen und konservatorisch bedenklicher Kittungen

-Entfernung von Nägeln, Holzdübeln und organischen Holzbestandteilen im Putz

-Salzreduktion an salzbelasteten Bereichen

-Strukturfestigung des Putzes

-Verklebung von Putzschollen und –schalen

-Hohlstellenhinterfüllung

-Festigung der Malschicht

-Rissbehandlung

-Schließen von Fehlstellen im Putz

-Farbliche Integration von Fehlstellen (Retusche im Sinne einer Acqua sporca)

-Fotografische und schriftliche Dokumentation

Projektbeteiligte:

Dipl- Restauratorin Sylvia Lenzner, Auftragnehmerin

Mitarbeiter: Restauratorin Erika Lust, Restaurator Helge Tietze, Elisheva Yardeni (Praktikantin)

Dipl.- Restaurator Wilfried Sitte, Bauleitung

Dipl.- Restauratorin Mechthild Noll- Minor, Dipl.- Restaurator Hans Burger, Landesamt für Denkmalpflege Brandenburg

Herr Berg, Amt Ziesar



Oberes Bild: Strahlenkranzmadonna.

Abb.: 1

Abb.1: Ansicht der Burg gen Westen.

Abb.: 2

Abb.2: Burgkapelle, Südfassade.

Abb.: 3

Abb.3: Burgkapelle, Innenansicht, gen Osten.

Abb.: 4

Abb.4: Östliche Rundbogennische, Strahlenkranzmadonna.

Abb.: 5

Abb.5: Ostjoch, Südwand, Rippe des Lanzettfensters, nach Entfernung (und Auskeilen) des von Flankenabrissen gekennzeichneten Fugenmörtels.

Abb.: 6

Abb.6: Ostjoch, Südwand, Lanzettfenster, Endzustand. Rippenfuge des Lanzettfensters nach Kittung und Retusche.

Abb.: 7

Abb.7: Ostjoch, Südwand, Rippenuntersicht, Zwischenzustand. Injektion des Hinterfüllmörtels auf der Basis von dispergiertem Weißkalkhydrat über eingekittete Schläuche.

Abb.: 8

Abb.8: Ostjoch. Südwand, Rippenuntersicht, Endzustand nach Kittung, Hinterfüllung der Rissbereiche und Retusche.

Abb.: 9

Abb.9: Ostjoch. Vorzustand. Verluste der Malschicht und stark kreidende Malschichtoberfläche auf einer Putzkittung aus den 1952/53er Jahren.

Abb.: 10

Abb.10: Ostjoch, östliche Gewölbekappe, Endzustand. Nach Konsolidierung kreidender Malschichtpartien und zurückhaltender Retusche im Sinne einer "Acqua sporca".

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sylvia lenzner - diplom restauratorin

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